Tips&Tricks 27: Unser Belegtmelder
Eigentlich müßte dies ein 'Projekt' sein, nach der Definition. Die Entwicklung der Belegtmelde-Module
(BMM) geht bis auf den Anfang unserer Automatisierung zurück.
Aber wir wollen hier nicht all die vielen Versuche beschreiben, die uns zu der aktuellen Version geführt haben,
sondern nur unser Prinzip mit den interessantesten Details. Und damit wird es wieder ein "T&T".
Das Prinzip:
Wir benutzen eine Strommeldung, d.h. wir überwachen den Strom, der in einen Gleisabschnitt fließt.
Da wir mit Gleichstrom fahren, benötigen wir zwei Meldungen, eine für jede Fahrtrichtung. Und wir
müssen den Bahnstromkreis von der Elektrik der Steuerung potentialmäßig trennen, da ansonsten
unvorhersehbare Ereignisse auftreten könnten. Kurzschlußfest müssen sie natürlich auch sein.
Preiswert? Aber ja! Und mit jederzeit wiederbeschaffbaren Bauteilen...
Ein Anreiz zur Weiterentwicklung war immer wieder die mangelhafte Empfindlichkeit. Die ersten BMM hatten Werte
um 10kΩ an 15V, das ist ein Strom von 1,5mA. Diesen Strom muß jede Achse ableiten, wenn sie
erkannt werden will. Inzwischen sind wir um mindestens den Faktor 10 besser geworden. Es ist aber nicht nur der
Stromverbrauch, sondern auch die Betriebssicherheit, die eine wesentliche Rolle dabei spielt:
Wir übertreiben hier einmal leicht:
10kΩ + Schmutz = Schmutz; meldet nicht
100kΩ + Schmutz = 100kΩ; meldet immer noch.
Das BMM:
Damit ist die Eingangsschaltung der BMM schon festgelegt. Sie besteht aus 4 Leistungsdioden (1N5400), die in beide
Stromrichtungen max. ca. 1,4 Volt 'abfallen' lassen, aber auch den maximal möglichen Strom von 3 Ampere
mühelos verkraften können. Über einen Schutzwiderstand, der die nachfolgende Schaltung absichern soll,
falls tatsächlich einmal eine der Dioden 'hops' gehen sollte, verzweigt sich der Strom in je einen
Optokoppler. Die von uns verwendeten Typen sind außerordentlich preiswert und haben die früher verwendeten
Koppler, die intern 2 antiparallel geschaltete Dioden besitzen, abgelöst; aus Kostengründen und
Wiederbeschaffungsproblemen. Die Transistoren in den Optokopplern schalten wir zur weiteren Auswertung parallel.
(Es wäre aber durchaus denkbar, dies nicht zu tun, sondern 2 getrennte Auswertungen zu schalten. Damit
hätten wir eine fahrtrichtungsabhängige Belegtmeldung. Oder - man könnte, ähnlich wie Märklin
mit seinem Skischleifer-Schleppschalter, fahrtrichtungsabhängig verschiedene Funktionen auslösen.)
Der gemeinsame Kollektorwiderstand hat den Wert von 10MΩ. Dies ist ein Wert an der Grenze des Mach- und
Beschaffbaren. Die Verstärkung der Schaltung wird dadurch so hoch, daß die geforderte Empfindlichkeit
(150µA) gut eingehalten werden kann. Die nachfolgende Stufe muß mit einem Feldeffekt-Transistor
beginnen, da ansonsten die so schön erworbene Empfindlichkeit wieder zunichte gemacht wird. Wir haben ein
preiswertes CMOS-IC eingesetzt (CD 40106; 6 Schmitt-Trigger; das nur zur Hälfte gebraucht wird), mit dem
eine unterschiedliche Ansprech- (ca. 0,2s) und Abfallzeit (ca. 2s) hergestellt wird.
Aufgrund von Nachfragen, wie denn unsere Endstufen aussähen, haben wir das folgende Bild um diese
Schaltungsteile erweitert. Die eine Endstufe schaltet ein, wenn ein Fahrzeug erkannt wird, die andere aus. Nun sind
sämtliche elektronischen Bauteile dokumentiert. Die beiden Widerstand-Kondensator-Kombinationen an den
Endstufen-Transistoren können im Normalfall weggelassen werden. Wir hatten sie eingeplant, falls sehr lange
Leitungen an den Transistoren sich Störungen einfangen würden. (Wenn der Transistor sperrt, sind die
Leitungen an diesem Ende 'offen' und wirken wie eine Antenne. S. dazu auch unseren Beitrag über
Entstörung.)
Dies war aber bei uns nicht der Fall. Diese 4 Bauteile werden aus Platzgründen auf der Unterseite als SMD
bestückt.
Das Foto zeigt den Eingangsteil eines BMM mit einer gemessenen Empfindlichkeit von 146 kΩ. (Dies bedeutet,
daß das BMM bei einer Einspeisung am Eingang mit 15 Volt über einen Vorwiderstand von 146 kΩ
anspricht. Ein einzelner Radsatz dürfte also höchstens diesen Wert, incl. Übergangswiderstand Rad -
Schiene, aufweisen, damit er erkannt wird.)
Das BMM steckt zusammen mit 8 anderen auf einer Trägerplatine im Europakartenformat. Diese wiederum steckt in
einem ganz normalen 19-Zoll-Rack.
Man erkennt neben der Fahrstromeinspeisung die 4 Dioden, dann weiter rechts die beiden Optokoppler. Ganz rechts
ist ein Teil des CMOS-ICs CD40106 zu sehen. Die Dioden wurden so angeordnet, daß zwei in Reihe
geschaltete nicht räumlich nebeneinander liegen, damit die entstehende Wärme (im Extremfall etwa
5 Watt!) besser verteilt wird.
Das Drumherum:
Parallel zum Ausgangstransistor unserer Fahrregler schalten wir einen Widerstand von 1kΩ, über den die
Versorgungsspannung von 15V direkt auf die Gleise gelangt. So ist auch bei "Fahrspannung = 0" ein Strom
in die Schienen gewährleistet. Ebenfalls liegt ein derartiger Widerstand über dem Schalter bei Signalen
und anderen Schaltern, mit denen der Fahrstrom abgeschaltet werden kann. So ist auch in 'abgeschalteten'
Bereichen eine Belegtmeldung möglich.
So steuern wir unsere Züge an. Parallel zum Fahrregler (FR) sieht man den 1-kΩ-Widerstand. Zwischen
Polwender (PW) und dem BMM ist ein Schalter eingezeichnet, der wiederum mit einem Widerstand überbrückt
ist. Dies könnte ein Signal oder ein anderer Schalter, wie oben beschrieben, sein.
Probleme:
Weil immer noch 'alte' (= unempfindliche) BMM auf unserer Anlage eingebaut sind, kann der 1-kΩ-Widerstand
noch nicht durch einen größeren ersetzt werden. So ist der Ruhe-Strom, der aus den Fahrreglern kommt,
doch noch recht hoch, so daß Loks mit Faulhaber-Motoren nicht sicher anhalten. Nach Ersatz aller alten BMM
können dann auch alle hier genannten Widerstände durch 10-kΩ-Typen ersetzt werden. Und wir
können dann endlich unsere Wagenachsen mit Grafit-Spray einsprühen, s.
Tips&Tricks 13.
Toleranzen:
Rein theoretisch dürfte es mit dem hohen Kollektorwiderstand (10 MΩ) an den Optokopplern keine Probleme
geben. Mit dem Dunkelstrom (lt. Datenblatt max. 100 nA) müßte der Spannungsabfall an diesem Widerstand in
Ruhe maximal 2 Volt betragen (merke: es sind 2 Optokoppler!). Falls also das BMM immer 'besetzt' anzeigt, sollte
der Wert des hier besprochenen Widerstands heruntergesetzt werden, bis auf 1 MΩ. Dann müßte die
Funktion eigentlich klappen.
Es ist aber auch möglich, daß man in der Toleranz 'gute' Gleichrichterdioden erwischt, die eine niedrige
Flußspannung besitzen. Für unsere Belange wäre das gar nicht gut, denn dann würden die
Optokoppler erst bei höheren Strömen durch die Dioden ausreichend Spannung erhalten, um ihren
Transistor genügend zu belichten. Nach unseren Messungen müssen an den Diodenpärchen etwa 850 mV
Spannung abfallen, damit die Optokoppler ansprechen. Hier liegt ein wesentlicher Grund dafür, daß die
BMM in ihrer Empfindlichkeit nie gleich ausfallen.
Einstreuungen:
Es kann vorkommen, daß bei unglücklicher Leitungsführung am 10-MΩ-Widerstand
50-Hz-Einstreuungen (Netz-Brumm) auftreten. Dies kann zu scheinbar extrem hoher Empfindlichkeit mit schlechtem
Ausschalt-Verhalten bis zu dauerndem Einschalten führen. In einem solchen Fall schafft ein Kondensator von
100 nF parallel zum Widerstand Abhilfe. Ein Beschalten der beim Optokoppler 4N32 herausgeführten
Basis-Anschlüsse hat bei uns nur zu negativen Ergebnissen geführt. Wir lassen sie bewußt offen.
Inzwischen gehen wir sogar dazu über, die Empfindlichkeit durch Verkleinern des Kollektor-Widerstands
zu reduzieren. Da durch Grafit-Sprühen sicher ein Achswiderstand von 50 kΩ zu erreichen ist, ist es
sinnlos, Empfindlichkeiten weit über diesem Wert herzustellen. Wir haben schon Belegt-Meldungen durch frisch
angelegte Beschotterung (= Feuchtigkeit) erhalten. Das ist zwar ebenso spektakulär wie ein Melden durch
angefeuchtete Finger, bringt aber ansonsten nichts.
Version vom: 23.09.2007; vorige Version vom: 12.09.2007
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