Wir machen uns hier die Tatsache zunutze, daß jedes Relais eine Anzugsspannung und eine Haltespannung besitzt,
die beide weit unterhalb der Nennspannung liegen. Die Haltespannung liegt unterhalb der Anzugsspannung.
Wenn wir eine Schaltung bauen, die eine Spannung liefert, die zwischen Anzugsspannung und Haltespannung liegt, und
damit das Relais ansteuern, passiert Folgendes:
- Das Relais kann nicht anziehen, da es zu wenig Spannung erhält;
- Das Relais kann nicht abfallen, da es zu viel Spannung erhält.
Und schon sind wir eigentlich fertig. Wenn wir nun dafür sorgen, daß die Spule (kurzfristig) eine Spannung
erhält, die höher als die Anzugsspannung ist, zieht das Relais an und hält diesen Zustand. Wenn wir
die Spannung (wieder nur kurzfristig) so weit erniedrigen, daß die Haltespannung unterschritten wird, so
fällt das Relais ab und bleibt auch abgefallen.
Das Relais verbraucht ständig einen geringen Ruhestrom.
Nach diesem Konzept könnte man Dutzende verschiedener Schaltungen bauen, die auch funktionieren würden.
Wir wollen hier nur die u.E. 'einfachste' Schaltung betrachten, die zusätzlich zu dem Relais nur noch 4 weitere
Bauteile enthält. Leider kommen wir um etwas Rechnen nicht herum; mehr als ein Dreisatz wird es aber nicht
werden. Als Beispiel soll das Relais Typ 30.22 der Fa. Finder dienen (Preis ca. 1,55 €), dessen Spule für
12 V ausgelegt ist und an 15 V betrieben werden soll.
Betrieb der Schaltung:
- Masseimpuls an '/ein' schaltet das Relais ein
- Masseimpuls an '/aus' läßt das Relais abfallen.
Werte des Relais:
Widerstand der Spule: nominal 360 Ω, gemessen 378 Ω
Anzugsspannung: 6,3 V
Haltespannung: 2,4 V

Einschalten:
Der Strom fließt von '+' über R1, Sp und die untere Diode nach '/ein', das an Masse gelegt werden soll.
Sp braucht mindestens 6,3 V; dann bleibt also für R1 der Rest bis 15 V, abzüglich der 0,7 V für die
Diode, das sind genau 8 V.
R1 = Sp × 8 / 6,3 = 378 × 8 / 6,3 = 480 Ω.
Der Widerstand darf also höchstens 480 Ω betragen. Wäre er größer, würde er mehr
Spannung 'verbrauchen', und das Relais könnte nicht anziehen.
Halten:
Der Strom fließt von '+' durch R1, Sp und R2 nach Masse. Sp braucht mindestens 2,4 V zum Halten, der Rest bis
15 V steht an den anderen beiden Widerständen, das sind 15 - 2,4 = 12,6 V.
(R1 + R2) = Sp × 12,6 / 2,4 = 378 × 12,6 / 2,4 = 1984,5 Ω.
Von dieser Summe ist der schon berechnete R1 abzuziehen, verbleiben für R2 noch
1984,5 - 480 = 1504,5 Ω. Auch dieser Wert ist ein Maximalwert. Wäre er größer, würde er
mehr Spannung 'verbrauchen', und das Relais hätte nicht genügend Spannung zum Halten.
Abschalten:
Der Strom fließt von '+' über R1, Sp und die obere Diode nach '/aus', das an Masse gelegt werden soll.
Am Relais liegt also nur die Spannung über der Diode, also ca. 0,7 Volt. Es fällt also sicher ab.
Spannungsversorgung:
Sackt die Versorgungsspannung nur etwas ein, so würde sie nicht mehr ausreichen, um
- das Relais einschalten zu können,
- das Relais zu halten.
Rechnet man daher das Ganze noch einmal für eine verminderte Versorgungsspannung von ca. 12 V aus, dann
erhält man (gerundet) für
R1 = 330 Ω
R2 = 1200 Ω.
Baut man die Schaltung mit diesen Werten auf, dann ergeben sich (nach Messung) folgende Eigenschaften für
den Einfluß der Versorgungsspannung:
| 0 bis 6,3 V: |
Relais ist dauernd abgefallen, läßt sich nicht einschalten |
| 6,3 bis 12,5 V: |
Relais läßt sich zwar einschalten, fällt aber sofort wieder ab |
| 12,5 bis ca. 18 V: |
Schaltung verhält sich bistabil |
| ca. 18 bis über 30 V: |
Schaltung verhält sich weiterhin bistabil |
| ab ca. 30 V: |
Relais läßt sich zwar abschalten, zieht aber sofort wieder an. |
Der Bereich ab ca. 18 Volt ist für den Betrieb uninteressant. Die Meßwerte zeigen aber, daß
die Schaltung bis zu relativ hohen Spannungen stabil ist.
Es ist darauf zu achten, daß R1 beim Abschalten mit fast 1 Watt belastet wird. Bei kurzen Impulsen ist dies
nicht schlimm. Können diese aber nicht garantiert werden, muß hier ein 1-Watt-Typ eingebaut werden.

Beim Abschalten genügt ein Absenken der Spannung am Relais unter die Haltespannung. In der oben dargestellten
Schaltung wurde hier des Guten zuviel getan (die Spannung wurde auf praktisch 0 Volt abgesenkt), was im ersten Moment
ja nicht schlimm ist. Nur die Sache mit dem 1-Watt-Widerstand macht Kopfzerbrechen. Wird nun ein Widerstand in die
Abschalt-Leitung eingefügt (R3, ca. 470 bis 680 Ω), so wird der Strom beim Abschalten wesentlich kleiner.
Damit ist auch das Ziel, auch bei Dauerstrom während des Abschaltens einfache ¼-W-Widerstände
einsetzen zu können, voll erreicht. Die 680 Ω sollten auch bei 18 Volt Versorgungsspannung das Relais
sicher abschalten; wenn nicht, müssen 560 oder 470 Ω eingesetzt werden. Bei 18 Volt werden R1 und der
neue Widerstand mit etwa 0,17 W belastet, was deutlich unterhalb der Schwelle von ¼ W liegt, und was wir auch
erreichen wollten.
Da das Relais seine Einstellung bei Spannungsabschaltung 'vergißt', ist es eher für Anwendungen gedacht,
die beim Einschalten der Spannung eine bestimmte Lage einnehmen
müssen, wie z.B. Signale.
Für eine Ansteuerung von Weichenmotoren ist es eher weniger geeignet, weil beim Einschalten der Spannung alle
(nach Murphy's Gesetzen) Weichen 'falsch' stehen und ein immenses Geheule losbricht, da sie erst einmal in ihre
Grundstellung laufen müssen.
Daß dem nicht so sein muß, erklärt eine kleine Erweiterung, die beim Projekt 7 einfließen
wird, aber aufgrund von Anfragen hier schon einmal aufgezeigt wird:

Im nebenstehenden Bild sehen wir die 'normale' bistabile Relais-Schaltung mit ihren Kontakten, die an der
Versorgungsspannung hängen und direkt einen Weichenmotor (der eine Endabschaltung haben muß) ansteuern.
Ohne das rote Kästchen ist also alles wie bisher beschrieben. In diesem Kästchen steckt eine (beliebige)
Schaltung, die beim Einschalten der Versorgungsspannung sperrt. Das bedeutet aber, daß der Weichenantrieb
stromlos ist und somit genau die Stellung behält, die er beim Abschalten der Spannung innehatte. Erst beim
ersten Tastendruck bei '/ein' oder '/aus' (das sind die normalen Taster zur Betätigung des Relais) beginnt das
Kästchen zu leiten, und zwar so lange, bis die Spannung wieder abgeschaltet wird. Diese Schaltung funktioniert
nicht für eine direkte Lichtsignal-Ansteuerung, da dieses beim Einschalten der Spannung zunächst einmal
'dunkel' wäre.
Alles auf einmal kann man eben nicht haben. Oder doch???
In dem roten Kästchen könnte ein Relais stecken, das bei Tastendruck in Selbsthaltung geht, oder, als
elektronisches Pendant, ein Thyristor, der per Anoden-Gate ansteuerbar ist (z.B. BR101), oder sein Nachbau aus 2
Transistoren (pnp und npn), oder als Drittes ein kleiner Triac, der 'elektrisch auf dem Kopf steht'. Die im
Folgenden stehenden Schaltungen sind 'auf die Schnelle' entworfen und (ausnahmsweise einmal) nicht getestet. Die
Widerstände sind unkritisch und sollten ca. 10kΩ haben.

Der Anschlüsse sind genau so angeordnet wie auf der Prinzipskizze oben:
Links die Stromversorgung (Dauer-Plus-Spannung)
Rechts die Versorgung der Relais-Schaltung
Unten die beiden Leitungen zu den Betätigungs-Tastern.
Den BR101 gibt es für 1,45 € bei Reichelt, den Z 0103 DA für 41 ct bei Conrad; das Relais, die
Transistoren und Dioden (1N4148) gibt es überall.
Die Relais-Schaltung braucht zum Selbst-Halten einen eigenen Masseanschluß, den anderen reicht der Strom durch
die angeschlossene Schaltung, um eingeschaltet bleiben zu können. Sollte dies nicht der Fall sein, kann dieser
Strom erhöht werden, indem man einen zusätzlichen Widerstand vom Ausgang an Masse legt (ca. 10kΩ bis
1kΩ). Dieser kann auch zum Testen der Schaltung verwendet werden (also ohne das angeschlossene Bistabile
Relais).
Für weitere Fragen stehen gern zur Verfügung:
- der MEC; Besichtigung und Fachsimpelei z.B. an unseren "Club-Abenden"
- der Autor:
Hans Peter Kastner
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