Grundlagen 4: Auswahl von Widerständen
Wir betrachten hier Widerstände als elektronische Bauteile, die es zu berechnen und auszusuchen gilt. Rechts
sehen Sie eine Auswahl der Bauformen. Die beiden kleinen ohne Anschlußdrähte sind SMD-Bauteile.
Die Überschrift läßt es schon ahnen: wir müssen rechnen, aber so schlimm wird es nicht.
Eine einzige Multiplikation oder Division, das ist es auch schon.
Widerstände werden in der Elektronik von < 1 Ω bis 10 MΩ (= 10 000 000 Ω) benötigt,
und da kann es nun mal keinen Allerweltswert geben.
Zunächst müssen wir uns mit dem Ohmschen Gesetz befassen. Dieses Gesetz beinhaltet eine einfache Formel,
nach der jeder Widerstand ausgerechnet werden kann.
In der Formelsprache wird die Spannung mit U bezeichnet, der Strom mit I und der Widerstand mit R.
Die Formel lautet U = R × I. Man kann auch, ohne die Formelzeichen zu benutzen, sagen: Spannung = Strom
× Widerstand. Es ist genau dasselbe. Nur hat die Formel den wesentlichen Vorteil: man kann sie sich gut
merken, URI. Die Eselsbrücke ist entweder der Herr Geller, der damals die Löffel verbogen hat, oder
der Kanton in der Schweiz. Und schreibt man sich das URI in ein Dreieck, dann hat man alle Chancen, sich nicht
zu verrechnen.
Der Trick an dem Dreieck ist folgender: verdeckt man eines der drei Formelzeichen, dann ergibt sich sein Wert aus
dem noch sichtbaren Rest. Beispiel: wenn ich U finden will, muß ich R × I rechnen, wenn ich R errechnen
will, ergibt es sich aus U / I. So einfach ist das. Wie schon beim Beitrag
Widerstände
beschrieben, wird die Spannung in Volt, der Strom in Ampere und der Widerstand in Ohm angegeben.
Beispiel 1:
Ich habe eine Spannung von 16 V zur Verfügung und brauche einen Strom von 16 mA. Dann ergibt sich der
erforderliche Widerstand zu 16 V / 16 mA, das sind 16 / 0,016 = 1000. Der Widerstand müßte also 1000
Ω groß sein, das sind 1 kΩ.
Beispiel 2:
Die Versorgungsspannung ist 15 V, und es soll daran eine LED betrieben werden. Bekannt ist, daß eine LED
eine Spannung von ca. 1,5 V benötigt und einen Strom von maximal 20 mA. Wir haben es hier mit einer
Reihenschaltung von 'Verbrauchern' zu tun. Hierbei addieren sich (grundsätzlich!) die einzelnen Spannungen.
Das soll heißen, daß, wenn die LED 1,5 V für sich beansprucht, für den Widerstand der Rest
bis 15 V bleibt. Weiterhin fließt durch den Widerstand derselbe Strom wie durch die LED (Prinzip
Wasserschlauch: da ist auch kein Leck mittendrin, so daß das Wasser irgendwohin verschwindet oder auf
wundersame Weise von außen in den Schlauch hineinläuft). Am Widerstand liegt also eine Spannung von
15 - 1,5 = 13,5 V an, und der Strom soll 20 mA betragen. Also rechnen wir 13,5 / 0,02 = 625. Da wir für den
maximalen Strom gerechnet haben, sind die errechneten 625 Ω der minimale Wert für den
Widerstand. Das ergibt sich auch aus der Formel: je größer der Widerstand, desto kleiner
der Strom.
Beispiel 3:
Was passiert, wenn ich, entgegen dem Beispiel 2, einen Widerstand von 1 kΩ vor die LED schalte? Der Strom I
rechnet sich dann zu U / R, also zu 13,5 / 1000 = 0,0135. Die LED bekäme also nur noch 13,5 mA, ein Wert,
der sie etwas dunkler leuchten ließe, aber meist noch voll ausreicht.
Farbcode:
Ein Widerstand hat in den seltensten Fällen seinen Wert im Klartext lesbar aufgedruckt. Vielmehr sind
viele bunte Ringe angebracht, die den Wert beschreiben. Wir gehen hier davon aus, daß der Widerstand
4 Ringe besitzt, wovon einer goldig oder silberfarben ist. Dieser gibt die Fertigungs-Toleranz des Wertes an,
silber = 10%, gold = 5%, und ist als letzter Ring in der Lese-Reihenfolge zu betrachten.
Die ersten beiden Ringe sind als Zahlen (wie rechts im Bild beschrieben) zu sehen, der 3. Ring ist die Anzahl
der darauf folgenden Nullen. Ein gelber Ring an 3. Stelle bedeutet also '4 Nullen'.
Der schon bekannte 1-kΩ-Widerstand hat demnach die Ringe 'braun' - 'schwarz' - 'rot', was bedeutet:
1 - 0 - 00, also 1000. So einfach ist das. Eine 'Eselsbrücke': die Reihenfolge der Farben hat viel mit
denen des Regenbogens zu tun: rot - gelb - blau, und dazwischen die Mischfarben.
Zahlencode:
Bei SMD-Widerständen trifft man eher einen Zahlencode an. Dieser ist in den Wertigkeiten der aufgedruckten
Ziffern genau so aufgebaut wie der Farbcode, nur fehlt als letzter Wert die Toleranz. Eine dreistellige Zahl, z.B.
'102', bedeutet '1 - 0 - 2 Nullen', also '1000'; das wäre, wie oben, das Kilo-Ohm.
Eine vierstellige Zahl soll uns nicht schrecken: '1003' bedeutet '1 - 0 - 0 - 3 Nullen'; das wären
'100000', also 100kΩ.
Ein Widerstand 'verbraucht' Energie.
Genau gesagt, er wandelt elektrische Energie in Wärmeenergie um. Das bedeutet, der Widerstand wird warm. Jeder
Widerstand wandelt so viel elektrische Energie um wie er angeboten bekommt. Diese Wärme gibt er an die
umgebende Luft ab. Je mehr es wird, um so heißer wird er. Das geht bis zur Selbstzerstörung.
Bei der Berechnung eines Widerstandes muß demnach auch immer die Betrachtung stehen, ob er nicht zu heiß
wird. Die Formel dazu lautet: P = U × I, wobei P das Zeichen für die (Wärme-)Leistung ist. Sie wird in Watt (W) gemessen.
Im Beispiel 2 rechnen wir: P = 13,5 × 0,02 = 0,27. Ein normaler 'kleiner' Widerstand, etwa 7 mm lang und
etwa 2 mm dick, darf mit ¼ Watt belastet werden. In diesem Beispiel wäre er schon überfordert
und würde zu heiß werden, so daß man sich an ihm die Finger verbrennen würde. Hier muß
ein größerer (½ Watt) eingebaut werden.
Eine kleine Trickserei: nimmt man statt des 625-Ω-Widerstandes einen mit 1 kΩ (Beispiel 3), so wird
der Strom geringer und damit auch die Wärmemenge: P = 13,5 × 0,0135 = 0,18225. Dieser Wert liegt
unterhalb des erlaubten, und hier kann tatsächlich ein kleiner billiger Widerstand eingesetzt werden.
Für weitere Fragen stehen gern zur Verfügung:
- der MEC; Besichtigung und Fachsimpelei z.B. an unseren "Club-Abenden"
- der Autor: Hans Peter Kastner
Version vom: 17.12.2009; vorige Version vom: 12.10.2007
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